SELBSTAUFGABE

SELBSTAUFGABE

performative Lesung

Es ist wahr, dass ich mich lange Zeit vorbehaltlos den Blicken der Anderen preisgegeben hatte, dass ich, ohne es zu wissen, darauf gedrängt hatte, sei es um den Preis der Lächerlichkeit, sei es um den Preis der Entwürdigung, einen Teil der allgemeinen Aufmerksamkeit einzuheimsen, dass ich jemand hatte sein wollen, dessen Selbst gesehen, bemerkt, kritisiert und lächerlich gemacht wird, solange es nur ein wahrnehmbares Selbst wäre.

Irgendwann gab ich all das auf, die ganze Anspannung, meinen Willen und diese Bilder. Ich fing an, mich einem Diktat zu unterstellen und ging auf in einem großen Programm, in dem meine Wünsche keine Rolle mehr spielten. 

Ich hatte bemerkt, dass es nichts zu gewinnen gab, aber eben auch nichts zu verlieren und dass ich vielleicht besser durch den Tag kommen würde, wenn es nicht mehr um ein Selbst gehen würde, ein Selbst, das mir, wenn ich es ehrlich bedenke, oft Kopfschmerzen bereitet hat und selten Freude.

Das Literaturkollektiv otium kehrt zu einer performativen Lesung zurück ins studio NAXOS. "Selbstaufgabe" ist ihr Titel, Anlass das Erscheinen der neuen Ausgabe der gleichnamigen Zeitschrift.

Gefördert durch: