Presse

FAZ - 08.11.2016 - Matthias Bischoff

Handwerk und Visitenkarte - "Graduation Piece" im Frankfurter Studio Naxos

Foto von Artikel - Handwerk und Visitenkarte

FAZ - 02.11.2016 - Frederick Seeler

Beschwertes Vergnügen - Installation "Lost on the highest peak" in der Naxoshalle

Foto von Artikel - Beschwertes Vergnügen

FAZ - 20.06.2016 - Matthias Bischoff

Koscher kochen in New York - Salzmanns „Muttersprache Mameloschn“ in Frankfurt

Lediglich weiße Vorhänge bilden das Bühnenquadrat im studioNAXOS, man kann sie hochheben, man kann sich mit ihm umwickeln, man kann sie herunterreißen. Dahinter kommt ein weiterer Vorhang zum Vorschein und als nach knapp 80 Minuten der Raum kahl ist, gibt es nichts weiter zu sagen, versiegen die Sprechakte, verschwinden die Figuren. Nils Wildegans minimalistisches Bühnenbild ist die genaue Entsprechung zu Carolin Millners sehr reduzierter Inszenierung von Sasha Marianna Salzmanns 2013 uraufgeführtem Stück „Muttersprache Mameloschn“. Sophie Pfenningstorf, Annemarie Falkenhain und Gabriele Nickolmann sprechen ohne genaue Rollenzuordnung als Großmutter Lin, Mutter Clara und Enkelin Rahel wenig miteinander als gegeneinander. Denn der stete Fluss aus Vorwürfen, Annährungen, Liebesversuchen und Liebesverweigerungen demonstriert vor allem das Scheitern von Kommunikation, das Misslingen gegenseitigen Verstehens. Dabei geht es vor allem um Mutterschaft, insbesondere um die jüdische Mutter als Übermutter und Hüterin der Tradition, um all das Erdrückende dieser von unzähligen kulturellen Stereotypen überwucherten Figur. Rahel, die Enkelin, die aus Deutschland nach New York geht, wird sich ihrer jüdischen Wurzeln erst dort bewusst, etwas als ihre Vermieterin von ihr erwartet, dass sie in ihrem Appartement ausschließlich koscher kocht. Wie das geht, lernt sie von ihrer Großmutter, die als Holocaust-Überlebende und überzeugte Kommunistin in der DDR gelebt hat. Die Mutter hingegen hat sich von allen jüdischen Traditionen abgeschnitten. Die drei Frauen sprechen Brieftexte, unter anderen an einen nie anwesenden Sohn beziehungsweise Bruder, sie sprechen direkt oder via Kamera auf die weißen Vorhänge projiziert, sie kämpfen miteinander, sie ringen um die Vorherrschaft. Jeweils zwischen Mutter und Tochter ist die Hauptkampflinie dieser Rededuelle, die bissig, scharfzüngig, voller böser Pointen sind und naturgemäß an kein rechtes Ende kommen.

Millners Inszenierung bleibt dicht an den Figuren dran, sie lässt sie mitunter zumindest körperlich die gleichen Bewegungen vollführen, verlässt sich dabei aber ganz auf den Text. Als kreisender Diskurs über jüdische Identität, über jüdisches Leben nach 1945 in der DDR, vor allem als Psychogramm der konfliktträchtigen Mutter-Tochter-Beziehung stellt „Muttersprache Mameloschn“ aber vor allem Fragen und lässt die Figuren und die Zuschauer damit absichtsvoll allein.